Wer ein paar Tage krank im Bett gelegen hat, kennt den Geruch. Er ist schwer zu beschreiben – leicht säuerlich, körperlich, irgendwie schwer. Und er bleibt. Auch wenn es einem wieder besser geht, auch nach dem ersten Lüften, manchmal sogar noch Tage später. Das Zimmer riecht nach Krankheit, und es dauert eine Weile, bis das weg ist.
Das ist kein Einbildung und kein Hygieneproblem. Es ist Chemie.
Was beim Kranksein im Zimmer bleibt
Wenn der Körper kämpft, verändert sich der Schweiß. Immunreaktionen, erhöhte Temperatur, Stoffwechselprozesse – all das beeinflusst, was der Körper über die Haut abgibt. Krankheitsschweiß riecht anders als normaler Schweiß: intensiver, manchmal leicht säuerlich, manchmal leicht süßlich, je nach Ursache.
Dieser Schweiß zieht in Bettwäsche, Kissen und Matratze. Nach mehreren Tagen im Bett hat sich eine erhebliche Menge davon eingelagert. Gleichzeitig erhöht sich durch das Atmen, Husten und Niesen die Partikelbelastung in der Raumluft. Das Zimmer ist in dieser Zeit kaum gelüftet worden – all das sammelt sich.
Dazu kommt: Viele Menschen trinken wenig und essen wenig wenn sie krank sind, öffnen kaum das Fenster und verbringen 20 Stunden am Tag im selben Raum. Das Ergebnis ist eine sehr gesättigte, körperlich belastete Raumluft.
Was zuerst zu tun ist
Bettwäsche sofort wechseln und bei 60 Grad waschen. Das ist der wichtigste erste Schritt. Nicht morgen, nicht wenn man sich besser fühlt – möglichst direkt nach dem Ende der Bettruhe. Was an Geruch in der Bettwäsche steckt, geht bei 60 Grad fast immer raus.
Kissen ebenfalls waschen, wenn möglich. Wer das Kissen mit einem Schutzbezug hatte, kommt mit dem Bezug allein davon. Wer keinen hatte, sollte das Kissen direkt mitwaschen.
Fenster auf, Durchzug erzeugen, mindestens 15 bis 20 Minuten. Dann nochmal. Einmaliges Lüften reicht nach mehreren Krankheitstagen meistens nicht.
Was den Geruch hartnäckig macht
Die Matratze. Sie hat alles aufgenommen, was in den letzten Tagen passiert ist – und sie kann nicht einfach in die Waschmaschine. Natron auf die Matratzenoberfläche streuen, eine bis zwei Stunden einwirken lassen, dann gründlich absaugen. Das hilft bei Oberflächengerüchen. Wenn der Geruch tiefer sitzt, braucht es mehrere Durchgänge oder das Aufstellen der Matratze am Fenster mit direktem Sonnenlicht.
Vorhänge und Teppich nehmen ebenfalls Gerüche aus der Raumluft auf. Wer mehrere Tage gehustet hat, hat einen Teil davon auch in den Textilien des Zimmers. Ein Waschgang für die Vorhänge nach einer Krankheitswoche ist keine Übertreibung.
Zimmer desinfizieren – sinnvoll oder nicht?
Die Frage kommt oft: Soll man das Zimmer nach einer Erkältung oder Grippe desinfizieren? Für den Geruch bringt das wenig – Desinfektionsmittel bekämpfen Keime, nicht Geruchsmoleküle. Für die Hygiene kann es sinnvoll sein, häufig berührte Flächen wie Lichtschalter, Türgriffe und Nachttisch abzuwischen.
Den Geruch beseitigt das nicht. Dafür braucht es Lüften, frische Textilien und Zeit.
Ein Schälchen Natron oder ein paar Aktivkohlebeutel im Zimmer beschleunigen das Verschwinden der Restgerüche aus der Luft. Wer mag, kann auch einen Spritzer Essigwasser auf die Matratze geben und trocknen lassen. Kein Wundermittel, aber es hilft.
Nach einer Woche ist der Geruch in den meisten Fällen weg – wenn man konsequent war. Wer merkt, dass er trotzdem bleibt, hat möglicherweise eine andere Geruchsquelle im Zimmer, die durch die Krankheitsphase nur deutlicher geworden ist. Dann lohnt sich ein systematischerer Blick, wie er in dem Artikel über dauerhaft muffige Schlafzimmer beschrieben ist.
