Manchmal sucht man die Ursache für den muffigen Geruch im Schlafzimmer tagelang – lüftet, wechselt die Bettwäsche, schaut hinter den Schrank – und kommt dann irgendwann auf die naheliegendste Quelle: den Schrank selbst. Man öffnet die Tür, und da ist er. Dieser typische, leicht abgestandene Geruch nach altem Holz, Staub und irgendwie Kleidung.
Was viele nicht wissen: Der Kleiderschrank kann nicht nur selbst riechen – er gibt den Geruch auch an den Raum ab. Und weil die Schranktür die meiste Zeit geschlossen ist, fällt es erst auf, wenn man ihn öffnet oder wenn der Geruch im Zimmer bereits so stark ist, dass er unübersehbar wird.
Warum Kleiderschränke muffig werden
Der häufigste Grund ist schlechte Belüftung. Ein geschlossener Schrank, in dem Kleidung hängt und liegt, die Körperwärme und minimale Restfeuchtigkeit abgibt, ist ein fast hermetisch abgeschlossener Raum. Keine Luftzirkulation, keine Frischluft – ideale Bedingungen für stehende, abgestandene Luft.
Dazu kommt das Material. Viele Kleiderschränke sind aus Spanplatten gefertigt, die Feuchtigkeit aufnehmen und bei erhöhter Luftfeuchtigkeit im Zimmer langsam Gerüche entwickeln. Ältere Schränke, besonders aus den 80er und 90er Jahren, haben manchmal zusätzlich Ausgasungen aus Klebstoffen oder Beschichtungen, die einen charakteristisch muffigen Eigengeruch erzeugen.
Kleidung, die nicht vollständig trocken in den Schrank gehängt wird – oder die nach dem Tragen etwas feucht ist – trägt erheblich bei. Wer Kleidung nach dem Bügeln sofort einräumt, bevor sie abgekühlt ist, schließt Restfeuchtigkeit im Schrank ein.
Der unterschätzte Faktor: Außenwand
Ein Kleiderschrank, der direkt an einer Außenwand steht und keinen Abstand hat, ist ein klassisches Problem – besonders in schlecht gedämmten Altbauten. Warme Raumluft zieht hinter den Schrank, trifft auf die kältere Wandfläche und kondensiert. Diese Feuchtigkeit setzt sich in der Wand und im Schrankmaterial fest.
Was dahinter entsteht, sieht man meistens nicht – aber man riecht es. Leicht erdig, modrig, manchmal mit einem Hauch Schimmel. Wer den Schrank noch nie von der Wand weggerückt hat, sollte das einmal tun und mit einer Taschenlampe nachschauen. Die Überraschung ist nicht selten.
Fünf bis zehn Zentimeter Abstand zur Außenwand reichen aus, um Luftzirkulation zu ermöglichen und Kondensation zu verhindern. Eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung.
Was gegen den Geruch hilft
Schrank vollständig ausräumen, innen gründlich abwischen – mit einem leicht feuchten Tuch und einem Schuss Essigwasser. Danach gut trocknen lassen, idealerweise bei offenem Schrank und offenem Fenster.
Aktivkohlebeutel oder ein offenes Schälchen mit Natron in den Schrank stellen. Beides nimmt Restgerüche auf und hält die Luft darin frischer. Keine Duftsäckchen mit starkem Eigengeruch – die überdecken nur und mischen sich mit dem vorhandenen Geruch.
Kleidung nur vollständig trocken einräumen. Wer nach dem Waschen bügelt, kurz abkühlen lassen. Wer Kleidung nach dem Tragen einräumt, vorher kurz auslüften lassen.
Schranktür gelegentlich offen lassen – besonders beim Lüften. Frische Luft im Zimmer hilft wenig, wenn der Schrank dabei geschlossen bleibt und sich die abgestandene Luft darin hält.
Wer merkt, dass der Geruch im Schlafzimmer trotz sauberer Bettwäsche und regelmäßigem Lüften bleibt, sollte den Kleiderschrank als mögliche Quelle nicht ausschließen. Er ist einer der am häufigsten übersehenen Geruchsverursacher im Schlafzimmer – und einer der einfachsten, wenn man weiß, wo man anfangen muss.
